Es gibt nicht viel, was zwischen Hochachtung und Ignoranz liegt, wenn es um REINHARD MEY geht. Mit seiner Art musikalischer Darbietungen verkörpert er mitunter eine Art Weltverbesserer, die nicht bei jedem gut ankommt. Dennoch erfreut er sich einer auch heute noch wachsenden Fangemeinde. Vielleicht gerade deshalb, weil sich Menschen nach einer etwas heileren, einer etwas besseren und einer etwas humaneren Welt sehnen, die der Liedermacher seit Jahrzehnten, durchaus mit dem einen oder anderen Augenzwickern, besingt.
Sein Liederrepertoire füllt inzwischen mehrere Textbücher. So beschränkt sich der inzwischen fast 70-jährige in seinem neuen Live-Doppel-Album „Gib mir Musik“ im Wesentlichen auf sein letztes von 25 Studioalben „Mairegen“.
Doch auch hierbei handelt es sich „lediglich“ um einen Ausschnitt des Künstlers. Denn selbst auf eine Doppel-CD lässt sich nicht vorbehaltlos ein komplettes Konzert zwängen, welches bei ihm mitunter auch drei Stunden dauert.
Als Konzerterlebnis jedoch hat sich MEY mit dieser Präsentation sein eigenes Denkmal gesetzt. Ein Mann aus dem Volk, persönlich, nahbar, verletzlich, tieftraurig, übermütig, amüsiert. Zahlreich sind die Attribute die sich auf den Sänger und seinen Interpretationen auf dieser Rückschau vereinen lassen.
Geprägt ist die DCD vom Krankheitsbild seines Sohnes der im Wachkoma liegt. Daher werden auch „Ficus Benjamini“ und „Drachenblut“ sehr emotional dargeboten. Trotzdem schafft es MEY immer wieder, auch die lustigen Seiten des Lebens zu beleuchten, sei es als „Bunter Hund“ oder wenn er „Männer im Baumarkt“ besingt.
Man kann nicht mehr, als schwärmen. Denn auch weitere Stücke wie „Gib mir Musik“ oder „Was keiner wagt“ zeugen von Symbiose zwischen Bühne und Auditorium, dass dem Zuhörer beispielsweise beim Lauschen während der Autofahrt den Wunsch erwachsen lässt, noch einen Moment im geparkten PKW inne zu halten, um das nächste Stück noch zu hören.
Und wenn der Sänger am Ende meint: „Gute Nacht, Freunde“ glaubt man ihm diese Worte prompt. Auch wenn dies eine häufig zitierte Floskel ist, scheint der in Berlin geborene sein tiefstes Anliegen damit vorzutragen. Man will als Freunde zusammen kommen und nach dem Konzert entsprechend auseinander gehen. Gar nicht so weltverbesserisch, eher menschlich.
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Favoriten: Männer im Baumarkt, Drachenblut, Gute Nacht Freunde
Für Freunde von: Konstantin Wecker, Hannes Wader, Herman van Veen
Veröffentlichung: das Album ist bereits erhältlich
Zu Hause: http://www.reinhard-mey.de/
Bewertung: 10 von 10 Punkten










